Von Petra Hellmann
Golfspielen wie vor 100 Jahren stand im August 2021 im Golfclub Vechta-Welpe auf dem Programm. 42 Teilnehmer aus sieben europäischen Ländern und verschiedenen deutschen Städten waren in die Kreisstadt im Oldenburger Münsterland gekommen, um bei der 13. German Open Hickory Championship ihren besten Spieler des Jahres 2021 zu ermitteln. Nicht nur sportlich ein besonderes Ereignis – auch fürs Auge wurde viel geboten.
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Hickory Golf ist eine traditionelle Variante des Golfspiels. Wenigen bekannt, erfreut sie sich rund um den Globus zunehmend größerer Beliebtheit – sogar Weltmeisterschaften werden jährlich seit fast zwei Jahrzehnten in den schottischen Highlands ausgetragen. Gespielt wird mit historischen Schlägern, die mindestens 90 Jahre alt sind und klangvolle Namen wie Spoon (Holz 3), Spade Mashie (Eisen 6) oder Niblick (Eisen 8 und 9) haben. Doch nicht nur die Schläger sind außergewöhnlich. Auch beim Outfit heißt es zurück ins letzte Jahrhundert: Während für die Herren Kniebundhosen, Schiebermützen, Binder oder Krawatten angesagt sind, präsentieren sich die Damen in wadenlangen Röcken, Blusen und eleganter Kopfbedeckung.
Um das Jahr 1500 bekam der Bogen- und Pfeilmacher William Payne den Auftrag, einen Satz Schläger für König James IV von Schottland zu fertigen und wurde so als „Royal Clubmaker“ zum ersten anerkannten Hersteller von Golfschlägern. Zu dieser Zeit wurden die Schlägerschäfte noch aus Esche- oder Haselnussholz gefertigt. Die Schlägerköpfe bestanden aus Apfel-, Birne- oder Buchenholz. Im Jahr 1828 wurde zum ersten Mal Hickoryholz, das zu den Walnussgewächsen gehört, für den Schlägerbau verarbeitet. Dieses Holz war viel haltbarer und flexibler. Zudem hatte es weniger Drehmoment, was zu einer verbesserten Flug- und Richtungskontrolle führte. Hickoryschäfte blieben Standard, bis 1925 der US-Golfverband den Gebrauch von Stahlschäften legalisierte. Diese Stahlschäfte waren 30 Jahre zuvor schon patentiert worden. Durch den Sieg von Billy Burke bei den US-Open im Jahr 1931 mit Stahlschäften und die Möglichkeit der Massenproduktion, war das Ende des Hickoryschafts besiegelt.
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Glyn Morris ist seit acht Jahren begeisterter Hickory Golfer: „Das Spiel mit den alten Hölzern ist eine echte Herausforderung. Es erfordert viel mehr Präzision als Schläge mit modernen Modellen“, stellt der Head Pro des Golfclubs Vechta-Welpe fest und erklärt: „Die Schlägerköpfe sind deutlich kleiner und man muss die Bälle wesentlich exakter treffen, damit sie richtig fliegen.“ Außerdem sei beim Schwung eher Zurückhaltung geboten: „Das Holz ist sehr elastisch und verzeiht kaum Fehler.“ Hickory Golf ist für ihn eine schöne Alternative zum modernen Hightech Golf.
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Auch Christoph Meister, Captain der German Hickory Golf Society, ist überzeugt: „Wer viel mit alten Schlägern spielt, verbessert auch sein ‚normales‘ Golfspiel.“ Für ihn steht bei der Vintage Variante, wie bei vielen anderen auch, vor allem der Spaß im Vordergrund: „Wir sind eine bunt zusammengewürfelte Gruppe mit Spielern aus ganz Deutschland und freuen uns, wenn wir uns bei Turnieren treffen.“ 65 Spieler sind im Dachverband der „German Hickory Society e. V.“ organisiert – und es werden stetig mehr. Ernst wird es für sie einmal jährlich, wenn sie wie im letzten Jahr im GC Vechta-Welpe, zu den „German Open Hickory Championship“ zusammenkommen. Unter dem Motto „Deutschland gegen den Rest der Welt“ starten die Teilnehmer am ersten Tag mit maximal sieben bis acht Schlägern im historischen Bag mit einer Einspielrunde, an der gerne auch die jeweiligen Clubmitglieder teilnehmen können. Im letzten Jahr konnte sich die Mannschaft mit Spielern aus Österreich, England, Frankreich, den Niederlanden, der Slowakei, Schweden und der Schweiz mit 5:2 gegen das deutsche Team durchsetzen. Die Meisterschaft selbst wird nach dem Vorbild der 1910er Jahre über insgesamt 36 Löcher als Zählspiel ausgetragen. Dabei zeigten die Spieler an beiden Spieltagen immer wieder großes Golf – vor allem die Pros, die um ein Preisgeld von 5000 € spielten. Mit insgesamt 154 Schlägen ging der Engländer Brian Gee als strahlender Sieger vom Platz. Vizemeister wurde Deutschlands Golflegende Heinz-Peter Thül aus Köln mit 159 Schlägen. Auch Vechtas Golfpro Glyn Morris meisterte die Herausforderung mit Bravour – mit 83 Schlägen am ersten Tag und 78 Schlägen auf der zweiten Runde, erspielte er sich den dritten Platz.
Weitere Informationen unter: www.german-hickory.com