Autonome Mäher
Moderne Technologie erleichtert die Pflege des Golfrasens
Moderne Technologie erleichtert die Pflege des Golfrasens
VON KATHARINA RESMER
Die Anforderungen an einen Golfrasen sind sehr hoch. Nicht umsonst werden für seine Pflege und Instandhaltung eigens Greenkeeper beschäftigt – wie die der Sommerfeld AG. Das Familienunternehmen aus Edewecht bietet auch autonome Fairwaymäher ein. Über diese moderne Technologie sowie über die Golfrasenpflege an sich sprachen wir mit Frank Sebastian Lentschig aus der Unternehmensentwicklung.
Inwieweit unterscheidet sich ein Golfrasen eigentlich von dem, den die meisten Deutschen in ihren Gärten haben?
Frank Lentschig: Der Golfrasen unterscheidet sich insbesondere aufgrund seiner hohen Belastbarkeit von den übrigen Rasentypen wie zum Beispiel dem Zierrasen, der häufig auch vom stolzen Eigenheimbesitzer gewählt wird. Je nach Spielelement und den entsprechenden Anforderungen – also ob es sich um einen Abschlag, ein Fairway oder ein Grün handelt – werden unterschiedliche Saatgutmischungen verwendet.
Welchen Einfluss hat der Rasen auf das Spiel?
Der Rasen hat einen sehr hohen Einfluss auf das Golfspiel. Je nachdem, auf welchem Spielelement sich der Golfer befindet, erwartet er die bestmöglichen Bedingungen für seinen nächsten Schlag. Auf dem Abschlag ist eine sehr schnelle Regeneration eine der wichtigsten Eigenschaften. Auf dem Fairway und im Semirough sollte der Ball möglichst vom Rasen „getragen“ werden, damit der Golfer mit seinem Schläger „unter den Ball kommt“. Und auf dem Grün sollte ein möglichst geringer Widerstand vorhanden sein, damit der Ball nicht zu stark abgebremst wird. Die Voraussetzungen dafür werden grundlegend beim Bau der Golfanlage geschaffen. Im Laufe der Jahre spielen die örtlichen Gegebenheiten in Kombination mit einer Vielzahl von Pflegemaßnahmen eine bedeutende Rolle. Nicht zu vergessen: Wir befinden uns mit einer Golfanlage in der Natur. Die vielen äußeren Einflussfaktoren stellen mit die größte Herausforderung der Golfplatzpflege dar.
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Die Pflege von Golfplätzen erfordert jede Menge Arbeit, dafür werden extra Greenkeeper eingestellt. Welche Arbeiten führen diese durch?
Der Aufgabenbereich eines Greenkeepers ist sehr vielfältig, abwechslungsreich, spannend und somit auch überaus erfüllend. Jeden Tag hat man die Chance, das Beste aus dem Golfplatz herauszuholen. Und nach getaner Arbeit kann man sich über das Geschaffte freuen, dabei schwingt häufig auch etwas Stolz mit. So werden zum Beispiel die verschiedenen Spielelemente mit unterschiedlichen Mähern, die in ihrer Größe variieren können, auf die jeweilige Höhe geschnitten. Das Ansäen, Nachsäen und Anpflanzen gehören genauso zu den Aufgaben wie auch die Pflege der Sandhindernisse (Bunker) auf einer Golfanlage. Um das Auge der Golfer „mitessen zu lassen“ kommen in regelmäßigen Abständen auch der Rasentrimmer oder andere Hilfsmittel zum Einsatz. Nicht jeder neue Mitarbeiter ist grundsätzlich ein „geprüfter Greenkeeper“ – diese Qualifikation erfordert einige Jahre Berufserfahrung.
Rasenmähen ist ein entscheidender Faktor bei der Rasenpflege. Was hat Sie dazu bewegt, dafür Mähroboter einzusetzen?
Die Sommerfeld AG zeichnet sich unter anderem durch ihre eigene Forschung und Entwicklung mit angeschlossenem Bodenlabor aus. Dienstleistungen werden kontinuierlich in Bezug auf die Biodiversität, den neuesten Stand der Technik und die Nachhaltigkeit entwickelt. Dazu gehört auch der Einsatz von autonomen Mähern, die durchaus eine Alternative zur herkömmlichen, manuellen Bedienung darstellen. Das gilt auch und gerade mit Blick auf bestehende und künftige Herausforderungen in Bezug auf den Arbeitsmarkt, die aktuellen Preisentwicklungen und die Verfügbarkeit von Betriebsmitteln, Ersatzteilen sowie Geräten und Maschinen. Inzwischen setzen wir auf drei Golfanlagen Fairwaymäher vom Typ TORO 5010-H in Verbindung mit dem Precision-Makers-System ein und sammeln damit seit etwa drei Jahren Erfahrungen. 2022 startet mit einem namhaften Hersteller von Mährobotern eine Teststellung mit ähnlichen Geräten, wie sie auch im Heimgartenbereich weit verbreitet sind.
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Wie viel Zeit sparen die Mähroboter verglichen mit dem manuellen Rasenmähen ein?
Beim Einsatz von herkömmlichen Mähern wie den oben benannten Fairwaymähern ist eine Zeitersparnis nur indirekt möglich. Die Mäher benötigen in der Regel deutlich länger als ein qualifizierter Mitarbeiter. Das hängt unter anderem mit den örtlichen Gegebenheiten und dem Verhalten des Mähers in Verbindung mit dem teilweise hohen Spielbetrieb auf den Golfanlagen zusammen. Der Mäher darf ausschließlich „unter Beobachtung“ alleine mähen. Allerdings kann der betreuende Mitarbeiter währenddessen verschiedene andere Arbeiten ausführen.
Heimgartenähnliche Mähroboter sind um ein Vielfaches kleiner als der klassische Golfrasenmäher, sodass sich eine Zeitersparnis ausschließlich durch die Steigerung der Anzahl an Mähern erreichen lässt. Die Technik entwickelt sich von Tag zu Tag weiter, in naher Zukunft werden immer ausgereiftere Geräte auf den Markt kommen. Vorteile des Einsatzes dieser Technik ergeben sich zum Beispiel aus der Minimierung des CO2-Fußabdrucks oder auch dem Einsatz der Mäher zu einer Tageszeit, in der weniger Spielfrequenz herrscht.
Was unterscheidet die Mähroboter für den Golfplatz von den herkömmlichen Modellen für Privatgärten?
Mähroboter müssen in der Lage sein, große Flächen und dazu den Rasen sehr kurz zu mähen. Dementsprechend ist die Technik darauf ausgerichtet, kommt aber insbesondere in Bezug auf die Flächenleistung schnell an ihre Grenzen. Die Geräte werden somit im Verbund eingesetzt und aufgrund der örtlichen Gegebenheiten häufig durch zusätzliche Technik nahe der Flächen unterstützt. Folglich sind eine Vielzahl von Mähern und dazu noch Hilfstechnik nötig, was den Einsatz sehr investitionsintensiv macht.
Wie viele Roboter braucht es, um die Fairways und Semi-Roughs einer Golfanlage zu mähen?
Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, da jede Golfanlage unterschiedlich viele Spielbahnen, unterschiedliche Mähdesigns und auch unterschiedliche Flächenverhältnisse haben kann. Auch die Spielfrequenz auf einer Golfanlage, die Topografie, das Layout, die dazu benötigte Vorinstallation und nicht zuletzt das vorhandene Budget wirken sich auf die Umsetzbarkeit aus. Grundsätzlich gehen wir nach den aktuellen Erkenntnissen und mit der derzeit von uns genutzten Mähroboter-Technologie davon aus, dass alleine für das Mähen von 18 Fairways etwa zehn Geräte benötigt werden. Beim Einsatz der TORO 5010-H-Geräte setzen wir momentan beispielsweise zwei autonome Mäher auf einer 27-Löcher-Golfanlage ein.
Welche weiteren autonomen Technologien kommen für einen Golfplatz infrage?
Sehr interessant sind Geräte mit Bilderkennung, die zum Beispiel eigenständig Wildkräuter oder auch Nährstoffmangel im Grasbestand analysieren. Damit werden eine selektive Wildkrautbekämpfung oder auch der gezieltere Einsatz von Düngemitteln möglich. Diese Technologien könnten den ohnehin schon sehr eingeschränkten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auch auf Großflächen noch weiter senken.